Kapitel 1: Ein Fest mit Hindernissen

 




Allean dreht den Kopf in Richtung der vier Besucher, wobei erstmals seine rechte Gesichtshälfte sichtbar wird - und damit, die hellen, daumennagelgrossen, von leicht geröteter Haut umgebenen Narben von Brandblasen. Der Karawanenwächter mustert seine Besucher ein paar Augenblicke lang bevor er leise zu sprechen beginnt.

"Der Überfall erfolgte morgens; es war neblig und kalt. Wir waren etwas über eine Stunde zuvor aufgebrochen. Kerr, welcher vor dem Wagen ritt, sah etwas, vermutlich ein Licht, denn er rief 'Ho, Reisende'. Als Warnung, sowohl für uns als auch die anderen. Damit es nicht zu einem Zusammenstoss kommen konnte, denn der Nebel war sehr dicht." Allean's Stirn runzelt sich, als er in seinem Bericht inne hält und seine Erinnerungen sortiert.
Sowohl Wortwahl als auch Sprachmuster des Karawanenwächters lassen nur wenig Zweifel daran, dass er nicht gerade mit grossen Geisteskräften gesegnet sein dürfte.
"Dann war da ein... Licht, dass auf uns zu kam. Schnell... sehr, sehr schnell. Schneller als ein Pferd... ausser ein gutes, dass schnell geritten wird. Dann war das Licht da und berührte Kerr... wurde heller... ein Knall... und Kerr schrie, die Hände vor's Gesicht geschlagen.
Ein zweites dieser Lichter raste an mir vorbei"
Allean macht eine Geste mit der Hand, die deutlich macht, dass dieser Angriff von seiner Linken Seite erfolgt sein musste, nicht von vorne "und, wieder mit Helligkeit und Knall, traf Ornush auf der anderen Seite. Die Pferde scheuten, aber ich konnte Alter Gaul beruhigen und unter Kontrolle halten." Ein leichtes Schnauben von Hemlock macht deutlich, dass ihn der Name von Allean's Pferd amüsiert. Der Sheriff verkneift sich jedoch jeden anderen Kommentar und fährt damit fort, von Zeit zu Zeit etwas in sein Notizbuch zu kritzeln. "Andras' konnte es nicht und sein Pferd stürmte davon. Er wurde angeworfen, blieb aber im Steigbügel hängen. Wurde mitgeschleift.
Dann Kampfschreie von vorne. Goblingeschnatter. Pferdeschrei. Andras' Schreie. Dann waren sie heran, sichtbar als Schemen im Nebel. Umkreisten die Karawane. Einige hielten..."
Allean's Stirn runzelt sich "Stöcke oder... Stäbe. Die Feuerkugeln spuckten.
Pfut...
Pfut...
Pfut..."
Einige Speicheltropfen begleiten die in etwa vier Sekunden Intervallen erfolgenden an Spuckgeräusche erinnernden Lautmalereien des verletzen Karawanenwächters.
"Eine der Kugeln streifte mich und ich konnte nichts mehr sehen." Allean macht eine Geste in Richtung seiner narbenübersähte Wange. "Dann konnte ich wieder sehen. Goblins, mit Speeren. Andere, mit Feuerstöcken. Kerr, am Boden liegend. Ornush, seine Kleider in Flammen, ein Speer im Rücken. Ein, zwei der anderen im Nahkampf, verletzt.
Blutend..."
Allean fährt sich mit einer fahrigen Bewegung seiner Hand über die Augen, bevor er einen tiefen, zittrigen Atemzug macht. Nach einem Moment spricht er weiter.
"Alter Gaul stieg, als ein Goblin versuchte, seine Trense zu packen. Seine Hufe verletzten den Goblin und er fiel. Dann ging Alter Gaul durch, als eine Feuerkugel ihn am Half traf.
Er rannte und rannte. Bis ich ihn endlich zügeln konnte. Mir war kalt. Und meine Seite schmerzte. Es wurde immer kälter und ich begann, von Alter Gaul zu rutschen. Er war warm, also klammert ich mich an ihm fest. Dann... bin ich eingeschlafen... und hier aufgewacht."

Ein Schulterzucken andeutend blickt er zu Zanthus, welcher die fehlenden Teile Allean's Berichtes ergänzt.
"Das Pferd hatte in seiner Panik eine ziemliche Strecke zurückgelegt und wurde kurze Zeit nachdem Allean das Bewusstsein verlor von zwei Bauern auf dem Weg zur Saat entdeckt.
Die Blutung hatte glücklicherweise aufgehört und Brem war weise genug, Borres auf dem Pferd in die Stadt zu schicken um Hilfe zu hohlen.
Trotzdem stand es lange Zeit schlecht um Allean und eine handvoll Heiler verausgabten sich, um sein Leben zu retten."


Zum ersten Mal seit der... merkwürdigen... Begrüssung spricht Hemlock. Der Sheriff berichtet kurz davon, dass ein Trupp der Miliz zum Schauplatz des Hinterhaltes gesandt wurde, dort jedoch nur Leichen und einen geplünderten Wagen fanden.

Keidan reibt sich ob der Beschreibung des Karawanenwächters sorgenvoll das Kinn.

"Feuerstöcke. Stöcke die Feuerkugeln spucken. Das klingt doch sehr nach Zauberstäben. Arkane Magie vermute ich mal. Hmm. Aber der Nebel... der war wohl natürlichen Ursprungs. Also gut, weis einer von Euch welchen Zauber da einer in die Stäbe gepackt haben könnte?"

Skarael

Skarael, der dem Bericht Alleans genau gefolgt war, nickt abwesend bei Keidans Kommentar.
"Feuerstäbe... ich habe mal einen sehr alten Zauberstab in Aktion gesehen, der einen drakhuth-ar, einen Feuerball verschossen hat. Wo der eingeschlagen ist, brannte allerdings alles, und es gab eine ziemlich wuchtige Explosion. Was Allean hier beschreibt klingt, bei allem Mitgefühl und Verständnis, nach einer schwächeren Version für mich."

Der Aasimar lässt seine golden schimmernden Augen wieder und wieder über die Verbrennungswunden des Verletzten wandern. "Was ich nicht verstehe ist, wie die Goblins in so großer Zahl Gebrauch von Stäben, und danach klingt es ja, machen können. Es benötigt immer ein gewissen Talent, um mit so einem arkanen Gerät umzugehen, es kann nicht einfach jeder so einen Stab aufheben und damit Magie um sich werfen. Ich habe Schwierigkeiten mir zu erklären, woher so viele Gob's auf einmal ein Gespür dafür bekommen haben sollen."

Skarael hebt seinen Blick Richtung Zanthus, in der Hoffnung dass der offensichtlich magich begabte Priester Erhellendes beitragen würde.

Zanthus denkt für einige Momente nach, bevor er schliesslich antwortet. "Möglicherweise ist dieses... Talent... unter den Goblins weitaus verbreiteter, als bisher angenommen... und sie hatten bisher schlichtwegs nicht die Möglichkeit oder das Bedürfnis, dies zu fördern.
Sollte dies der Fall sein und hätte sich ein grundlegender Wechsel innerhalb des Stammes ereignet, so dass diese Talente nun systematisch gefördert werden..."
Der Priester verstummt; die Implikationen sind offensichtlich, zumindest in groben Zügen. Nach ein paar Augenblicken der Stille spekuliert Zanthus weiter.
"Oder aber, diese Talente sind latent und werden nur in seltenen Fällen erkannt. Das würde auch die relative Seltenheit von Shamanen unter den Stämmen erklären. Hätte der Krötenleckerstamm nun durch Zufall eine grosse Menge Ressourcen in ihre Klauen bekommen... oder gar diese Stäbe...
Nun, wenn auch ein latentes Talent dafür ausreicht, die Magie der Stäbe zu entfesseln..."
Zanthus pausiert und wirft Skarael einen Fragenden Blick zu, bevor er endet mit "würde diese Variante einiges erklären."

Keidan hört sich Zanthus Ausführungen mit nachdenklicher Miene an. Magie bedeutet nun einmal Macht und gerade wer wenig davon besitzt wird am ehesten süchtig danach. Und Goblins sind allgemein annerkannt eher weniger mächtige Kreaturen.

"Das ist gut zu wissen. Selbst wenn wir das Problem an sich nicht lösen können, alleine schon herauszufinden was wirklich vor sich geht wäre von großer Hilfe um die Situation in den Griff zu kriegen und das Gleichgewicht wieder herzustellen. Warscheinlich wäre es sogar das Beste, es stellt sich heraus das eine weitere Seite beteiligt ist. Ein Schattenherrscher oder Puppenspieler der die Goblins für seine Zwecke mißbraucht. Dem wäre sicher eher beizukommen als wenn wir ernsthaft gegen all die Goblins vorgehen müssten. Sich will niemand von uns einen ganzen Stamm auslöschen."

Skarael

Bei Keidans letzten Worten bildet sich ein harter Ausdruck auf Skaraels Gesicht. Sein Blick, obwohl auf das Bett Alleans gerichtet, scheint in ganz andere Weiten zu schauen...

Die wenigen brennenden Häuser warfen tanzende Lichter auf die wilden, bemalten Gesichter der Krieger. Das Knacken der alles verzehrenden Flammen mischte sich mit den Schreien der Sterbenden und den Siegesrufen der Überlebenden zu einem schrecklichen Sog, dem sich niemand entziehen konnte. Niemand wurde verschont, nicht einmal die Kinder oder die Alten.
Von der nahen Anhöhe aus hatten Skarael und seine Begleiter vollen Ausblick über das Massaker. Immer wieder griff Skarael zu dem Griff seiner Armbrust, während ihm Tränen die Sicht verschleierten. Doch sie waren Shundar-Quah, die Vermittler, die Erzähler, die Botschafter. Dieser Kampf war nicht der ihre und sie durften nicht eingreifen.



Das Scharren von jemandes Füßes bringt Skarael wieder in die Gegenwart zurück.

"Das Pferd, das Allean in die Stadt zurückgebracht hat, lebt es noch? Wenn ja, hat sich jemand die Brandwunde am Hals des Tieres angesehen, ob sie mit Alleans Verletzungen übereinstimmt? Nur um sicherzugehen, dass es die gleiche Art von Feuermagie war.
Es klingt jedenfalls so, als wenn diese Geschosse auch vorbeigingen und nicht jeder Schuss der Gob's ein Treffer war. Das lässt hoffen, dass ihre arkane Meisterschaft nicht voll ausgebildet ist oder die Stäbe an sich keine allzu große Präzision besitzen."


Er will gerade ansetzen, sich von dem Priester und Verwundeten zu verabschieden, als sich ein Detail von Skaraels bedrückenden Erinnerungen in den Vordergrund seines Bewusstseins schiebt. "Allean, könnt ihr euch erinnern ob es inmitten des Getümmels nach Schwefel gerochen hat? Ich weiß das es schwer sein kann, Details einer solchen Erfahrung im Nachhinein zu isolieren, aber versucht es bitte."

Die Männer in seiner Erinnerung hatten Beutel mit einer schwefelig riechenden Mischung benutzt, um die Brände zu beschleunigen. Den beißenden Geruch, der sich mit dem von Blut und Schlamm vermischte, würde Skarael wohl nie vergessen.

"Viele Goblins, die plötzlich ein magisches Talent entdecken oder entwickeln", bring Erlis sich in das Gespräch ein, "das ist beunruhigend. Lasst uns hoffen, dass es ausreicht, den Krötenleckern die Stäbe wegzunehmen - nicht, dass noch andere Goblinstämme ähnliche Fähigkeiten entwickeln."

Erlis scheint ein wenig besorgt, und auch J'chai wirkt wachsam und angespannt.

"Kennt jemand eine Möglichkeit, sich vor Feuer zu schützen, vielleicht eine ... eine Art Löschsalbe?"

Er nimmt sich fest vor, mit feuchten Kleidern in den Sumpf zu ziehen. Das macht die Sache zwar nicht angenehmer, aber er hofft, so nicht das gleiche Schicksal erleiden zu müssen wie dieser Ornush aus der Erzählung des Verletzen.

"Die Verletzungen des Pferdes waren oberflächlicher Natur; versengtes Fell und ein paar kleine, punktuelle Verbrennungen." Bringt sich Hemlock nach einem leichten Räuspern ein. "Sicherlich schmerzhaft und genug, das arme Tier in Panik zu versetzten, aber keinesfalls lebensbedrohlich."

Allean denkt währenddessen angestrengt nach, wie anhand seiner zusammengekniffenen Augen und gefurchter Stirn deutlich erkennbar ist
Als die Stille länger und länger andauert und beginnt, peinlich zu werden, räuspert sich Zanthus und greift Erlis' Frage auf. "Mit einer Löschsalbe kann ich nicht dienen, aber für eine Konfrontation mit den Goblins wurde beschlossen, dass die Kathedrale vier der Tränke der Heilung beisteuert."

Schliesslich scheint Allean zu einer Entscheidung gekommen zu sein, denn er schüttelt leicht den Kopf. "Vielleicht... ich... weiss es nicht..."

Keiner der drei jungen Männer ist sich sicher, ob das von Hemlock kommende Geräusch ein unterdrücktes Schnauben war oder nur ein etwas lauteres Ausatmen. Auch der Hohepriester scheint sich unsicher, denn auch wenn sein Blick zum Sheriff zuckt, zeigt seine Miene Unsicherheit.

Skarael

Der Aasimar, dem das wortlose Hin-und-Her zwischen Hemlock und Zanthus nicht entgangen war, beschließt, die Situation nicht weiter aufzuheizen.

"Danke dass ihr es versucht habt, Allean. Wir werden euch nicht weiter mit Fragen quälen, wir wissen denke ich genug um eine Herangehensweise zu formulieren. Werdet wieder gesund." Er schenkt dem Bettlägerigen ein aufmunterndes Nicken, dann wendet er such an die anderen.
"Vier Tränke der Heilung? Kein unbeachtlicher Beitrag... das gibt uns jedenfalls eine Notfalloption. Ich bin froh, dass wir doch noch hergekommen sind."





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