Kapitel 1: Ein Fest mit Hindernissen

 
Keidan runzelt die Stirn als er die Geschichte hört.

"Das verstehe Ich nicht. Eine Kreatur des Wasser an Land zu beschwören sollte ... schwer sein. Es ist ja schon schwer genug überhaupt eine Kreatur von einer anderen Ebene zu beschwören und normalerweise muss man sich die größte Mühe geben die lokalen Gegebenheiten so weit wie möglich and die Heimatebene des Wesen anzugleichen damit der Zauber gelingt und das Wesen die Bitte zu erscheinen auch befolgt. Und das Euch dann so etwas gewissermaßen als... Unfall gelingt... "

"Da ist Euch euer Zauber aber sehr mißlungen." meint er abschließend mit ernster Mine. Aber es ist nicht schwer zu erkennen dass er sich ein Grinsen verkneifen muss.

Erlis Stimme scheint die Tian aus ihren Gedanken zu reissen, denn kaum beginnt der Halb-elf zu sprechen, blinzelt Ameiko ein, zwei Mal und isst weiter, während sie Erlis' Erzählung lauscht.
Als sich die Geschichte zu ihrem Höhepunkt kommt und sich rund um den Tisch Lächeln und - im Falle Keidan's, Skepsis - breit macht, lacht Ameiko mit der ihr eigenen, überschwänglichen Lebenslust, welche normalerweise jedoch von kühler Professionalität überdeckt wird.
Sie hebt ihre Stäbchen, ein Stück Fleisch fest im Griff, in einem stummen Salut in Richtung Erlis.

Kaum beginnt Keidan zu sprechen tritt Anaa an den Tisch und bringt Skarael den gewünschten Pfeffer - und Ameiko ihren Tee. Die jung Frau betrachtet die beiden nicht-humanoiden Tischgefährten während sie noch einen Augenblick lang wartet, ob noch jemand einen Wunsch hat, bevor sie eine Tour um die anderen Tische beginnt.

"Das war kein misslungener Zauber, Keidan-san... ein missglückter Zauber ist, wenn jemand, der dazu genötigt wird, sich mit Buchhaltung zu beschäftigen versucht, einen sich aufgrund von beinahe tödlicher Langeweile eingeschlichenen Fehler in einem Kassenbuch zu korrigieren - und dabei die Einträge eines ganzen Monats auslöscht..."

Skarael

Skarael nimmt das Gewürz dankbar entgegen und streut es ohne Bedenken ordentlich in seine Schale. Seine Wangen nehmen nach dem ersten nachgewürzten Happen eine leicht dunklere Farbe an, aber es scheint ihm prima zu schmecken.

"Ouh..." Er verzieht das Gesicht bei Ameikos Bericht. "Konntest du es hinterher wiederherstellen? Oder musstest du die Einträge von Hand rekonstruieren? Ich weiß jedenfalls auch von einem Zauber, der Geschriebenes verschwinden lassen kann, nur so etwas aus Versehen zu machen... dir muss wohl wirklich langweilig gewesen sein, hm?"

Keidan

"Aber dann lag der Fehler ja nicht so sehr an dem Zauber, der hat ja funktioniert, sondern am Zauberer, der es verabsäumt hat den zauber in die richtigen Bahnen zu lenken. Nun ja, man lernt aus Fehlern." sagt Keidan mit einem Schulterzucken und wendet sich wieder seinem Fisch zu bevor der völlig kalt wird.

Ameiko mustert Keidan einen Augenblick lang mit einer hochgezogenen Augenbraue. "Wie die Beschwörung eines Delphins anstatt eines Hundes...Erick-Lanliss-san's Zauber funktionierte, auch wenn er nicht die erwünschte Wirkung hatte." Die Tian schweigt einen Augenblick, bevor sie in Richtung Skarael blickt. "Mein Bruder schuftete über eine Woche, um die gelöschten Einträge neu zu schreiben - eine Aufgabe, die ihn noch weit mehr langweilte, als die ursprüngliche."

Skarael

Der Aasimar verschluckt sich bei Ameikos Worten und muss sich arg beherrschen, nicht laut loszuhusten. Während ihm Tränen die Wangen herablaufen, versucht er die Fassung sowie sein Gesicht - im wahrsten Sinne des Wortes - zu wahren.

"Tsuto war der Unglückliche?" fragt er schließlich.

Erlis blickt Keidan mit gerunzelter Stirn an.

"Na ja, sooo schwer ist das mit dem Beschwören ja eigentlich nicht. Finde ich zumindest. Und außerdem bin ich mir mittlerweile ziemlich sicher, dass der Delphin an der ganzen Sache schuld war."

Dann wendet er sich der Tian zu.

"Die Einträge eines ganzen Monats? Wie ist das geschehen - Magie? Tinte? Magische Tinte?"

Buchhaltung ist ein Thema, das Erlis furchtbar langweilt - weshalb er sofort die Gelegenheit ergreift, mit der mysteriösen Ameiko darüber zu reden.

Ameiko's Miene verfinstert sich ob Skarael's Frage, doch sie nickt. "Tsuto. Rückblickend war die Idee, eine Versöhnung durch Arbeit herbeiführen zu wollen, ein ziemlicher Fehlschlag." Ameiko scheint es bei dieser kurzen Äusserung belassen zu wollen, den sie spricht nicht weiter - nicht sonderlich verwunderlich, wenn man die langfristigen Resultate dieses Versuches bedenkt.

Obwohl vermutlich niemand ausser Ameiko die volle Geschichte kennt, kennen wohl die meisten Bewohner Sandpoint's zumindest einen Teil der Geschichte; Tsuto, Ameiko's Halbbruder und lebendiger Beweis der Untreue Atsuii, deren beider Mutter, war ein steter Dorn im Auges Lonjiku Kaijitsu's. Dennoch hatte Ameiko mehrfach versucht, das angespannte Verhältnis zwischen ihrem Halbbruder und ihrem Vater zu verbessern, jedoch ohne Erfolg.
Böse Zungen mögen gar behaupten, dass Tsuto's Patrizid das finale Resultat von Ameiko's Versuchen war.

Die Züge der Tian entspannen sich ein wenig ob Erlis' Frage, die den Fokus weg von Tsuto als Person und hin zu dem Missgeschick lenkt. "Magie, vermutlich unsachgemäss oder ohne Überzeugung und Sorgfalt angewandt...
Wie heisst es in der Ballade von Bagger Mender ?"
Ameiko verstummt einen Moment bevor sie leise ein paar Zeilen halb-singt.

"Und so erhob sich Bagger Mender in jener Nacht
breitete weit aus seine verhüllten Arme und Hände,
skandierte die Worte seines Stands und seiner Macht.
Vielstimmiges Kichern brandete gegen die Wände -
denn unsichtbar war nicht Bagger Mender
sondern nur alle seine teuren Gewänder.

Keidan lauscht Ameiko's Erzählung andächtig, jedoch kaut er dabei weiterhin auf seinem Fisch. Nun, es scheint ihm zu schmecken.

"Ach Magie. Jeder Handwerker kann ja sein Stück ruinieren wenn er nur mal einen Augenblick abgelenkt ist. Ich weis ja selber wie das ist. Ich mag ja einen zerbrochenen Krug wieder zusammenzaubern können, doch bei einem Mißratenen hilft keine Magie. Ich denke, man sollte sich davor hüten in der Magie ein Allheilmittel zu sehen. Machtvoll und nützlich sicherlich, doch eben auch gefährlich. Aber ist nicht jedes Element, während es im rechten Maß für unser Leben notwendig ist, sowohl im Mangel als auch im Übermaß gefährlich, ja sogar tödlich?"

"Wir müssen Luft haben zu atmen, ohne sie ersticken wir jämmerlich. Aber ein Sturm oder Orkan kann eine ganze Stadt in Trümmer schlagen. Haben wir zu wenig Feuer erlischt unser Lebensfunke, doch zuviel verbrennt uns zu Asche. Ohne Wasser müssen wir elendig verdursten doch ertrinken ist nichts anderes als ersticken. Und Erde..."

Keidan versucht sich einen passenden Vergleich für das Erd-Element auszudenken, scheint aber auf Anhieb keine Idee zu haben. Und das wo er doch gerade diesem Element so verbunden ist.

Skarael

Als Antwort auf Keidans unvollendeten Satz lässt Skarael ein Klümpchen Reis in seine offene linke Hand fallen und macht mit den Essstäbchen in seiner Rechten eine kleine, schwungvolle Geste. "... und Erde ernährt uns, so dass wir wachsen und gedeihen."
Skarael wirkt Prestidigitation
Der kleine Zauber, den Skarael dabei wirkt, lässt die Reiskörner scheinbar miteinander verschelzen, bevor ein kleiner Trieb aus ihnen sprießt.

"Doch die Erde bringt auch Salz, Gift, oder Steinschlag, und letztendlich gehen wir wieder in den Staub zurück, aus dem unsere Körper von den Geistern geformt wurden." Der Trieb in der Hand des Aasimars verkümmert bei diesen Worten und fällt in sich zusammen, bevor seine Asche von einem imaginären Wind ins Nichts fortgetragen wird. Skarael schließt seine Hand und öffnet sie wieder, und die Reiskörner sind verschwunden.

"Ich muss mir von dir unbedingt noch einmal die ganze Ballade von Begger Mender beibringen lassen," sagt er zu Ameiko. "Vor allem mit der Melodie, mit der du sie singst."





Powered by vBulletin® Version 3.8.8
Copyright ©2000 - 2014, vBulletin Solutions, Inc.
Myth-Weavers Status       Advertise with us